In diesem Teil unseres Projektes „Ideen f√ľr internationale Airlines w√§hrend und √ľber die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Wie ist die aktuelle Situation der Luftfahrtgesellschaften im Rahmen der Corona-Pandemie“.

 

Wohl kaum eine andere Branche ist durch die andauernde Corona-Pandemie so sichtbar getroffen worden, wie die der Luftfahrtgesellschaften. Der internationale Flugverkehr kam nahezu von einem auf den anderen Tag zum Erliegen. Die Branche, die bisher √ľber 100.000 Flugbewegungen weltweit pro Tag zu verzeichnen hatte und dabei Urlauber, Gesch√§ftsleute, Pendler und Fracht bef√∂rdert hat, steht im wahrsten Sinne des Wortes still. Selbst die Auswirkungen vom 11. September und der Weltwirtschaftskrise um 2009 auf den Luftverkehr erscheinen hiergegen vernachl√§ssigbar gering.

Nur noch die n√∂tigsten Fl√ľge werden derzeit get√§tigt, um z.B. Menschen in ihr Heimatland zur√ľckzubringen und nat√ľrlich der Frachtverkehr, der durch die Krise einen neuen Stellenwert erfahren hat. Blickt man in diesen Tagen an den Himmel, sind Kondensstreifen eine Rarit√§t geworden. Doch die Stille tr√ľgt. Im Hintergrund arbeiten die kommerziellen Luftfahrtgesellschaften fieberhaft an einem Wiedereinstieg bzw. der Wiederbelebung des Luftverkehrs, um m√∂glichst bald auch wieder Passagiere im Regelbetrieb sicher und gesund an ihr Ziel zu bringen – und die Welt zu verbinden.

 

Stimmungsbild der Branche

Weltweit herrscht bei den Luftfahrtgesellschaften eine bedr√ľckte Stimmung. So etwas hat es in dieser Branche und in diesem Ausma√ü bisher noch nicht gegeben. Die Anspannung ist extrem gro√ü, da bei vielen Unternehmen die Existenz auf dem Spiel steht.

Hinzu kommt, dass es der Branche aktuell an Ideen mangelt, die sie aus dem Dilemma der gegenw√§rtigen Situation befreien. Das Gesamtbild hinterl√§sst beim Betrachter einen bitteren Nachgeschmack hinsichtlich der aktuellen und zuk√ľnftigen Entwicklungsaussichten der sonst vom Wachstum verw√∂hnten Luftfahrtindustrie.

Nichts desto trotz steht die Luftfahrtbranche – und besonders ihre Mitarbeiter – voll und ganz hinter ihren aktuellen Projekten (hiermit sind im Kern die Luftfahrtgesellschaften selbst und im erweiterten Sinne ihre Unternehmungen gemeint) und wollen sie um jeden Preis am Leben erhalten.

 

Ihre Mitarbeiter

Vielen Mitarbeitern in der Luftfahrtbranche gef√§llt zu Beginn der aktuelle ‚Zwangsurlaub‘. Dies ist f√ľr sie aber kein dauerhaft tragbarerer und zufriedenstellender Zustand.

Innerhalb der Luftfahrtbranche existiert ein hoher Identifikationsgrad der Mitarbeiter mit den jeweiligen Produkten (im Wesentlichen sind hiermit die Flugzeuge gemeint) und den damit verbundenen Dienstleistungen.

Dabei spielt die monet√§re Entlohnung der Mitarbeiter dieser Branche in vielen F√§llen eine untergeordnete Rolle. Die Hauptmotivatoren sind u.a., in einem hochtechnologischen und -komplexen Umfeld arbeiten zu d√ľrfen (welches f√ľr den Normalsterblichen so nicht zug√§nglich ist), die Airline und ihr jeweiliges Image zu repr√§sentieren, Flexibilit√§t bei der Einsatzplanung – und nicht zuletzt der Umstand, beim Arbeiten die Welt bereisen zu d√ľrfen.

Dar√ľber hinaus stellen die Zufriedenheit der Kunden sowie deren Sicherheit das h√∂chste Gut der Branche dar.

 

Krise als Chance

Die gegenwärtige Krise und die damit einhergehenden Erfordernisse zwingen die Luftfahrtgesellschaften zur zeitnahen Entwicklung von innovativen Lösungen, welche unter normalen Umständen wahrscheinlich noch Jahre in den Schubladen der Unternehmen vor sich hingeschlummert hätten.

So perplex es auf den ersten Blick in der aktuellen Situation auch klingen mag, ist das Spektrum an neuen M√∂glichkeiten (L√∂sungen) sehr weit gef√§chert und f√ľr jeden Wettbewerber am globalen Markt zug√§nglich, der die Krise als Chance sieht.

 

Reaktionen der Luftfahrtgesellschaften auf die Krise

Nur wenige Unternehmen erlauben es sich in dieser kritischen Zeit, vom urspr√ľnglich geplanten Kurs abzuweichen, welchen sie vor der Krise skizziert haben, und dabei ‚Altbekanntes‘ loszulassen oder sogar den Sprung ins kalte Wasser zu wagen. Diejenigen Unternehmen, die es dennoch tun, werden √ľber die Ma√üen erfolgreich sein.

Genau jetzt ist eine optimale Zeit f√ľr alle Unternehmen zum Aufr√§umen, Aussortieren und Neustrukturieren des gesamten Portfolios. Dies ist im normalerweise eng getakteten Betriebsablauf in der Form nicht m√∂glich gewesen und bei vielen Fluggesellschaften l√§ngst √ľberf√§llig. Die meisten Fluggesellschaften haben dies verstanden und stellen sich bereits nach ihrem jeweiligen Kenntnisstand optimal auf, um sofort nach der Krise wieder loslegen zu k√∂nnen.

Luftfahrtgesellschaften, die bereits zuvor eine marode bzw. langfristig ungesunde Unternehmensorganisation und -philosophie verfolgten, werden die Krise nicht oder nur schwer gesch√§digt √ľberstehen. Wer zum Beispiel bisher eher gewinn- als kundenorientiert unterwegs war, dem droht jetzt und besonders nach Abklingen der Krise ein enormer Imageverlust, inklusive den damit verbundenen finanziellen Folgen.

Dies erm√∂glicht das Entstehen neuer – bez√ľglich ihrer Effizienz und Kundenorientierung die alten √ľbertreffenden – Luftfahrtgesellschaften mit deutlich besseren und √∂kologisch nachhaltigeren Konzepten.

 

√úberbringer des Virus

Die Luftfahrtgesellschaften stehen Im Rahmen der Krise zunehmend im Interesse der √Ėffentlichkeit. Viele Flugg√§ste k√∂nnen es gar nicht erwarten, dass sich der Flugbetrieb schnellstm√∂glich wieder normalisiert und sie dadurch ihren gewohnten Gesch√§ften nachgehen k√∂nnen. Nicht zu vergessen sind die vielen Menschen, die sich nach der andauernden Quarant√§ne nach einem erholsamen Urlaub am Strand und in Freiheit sehnen.

Überschattet wird diese Euphorie jedoch dadurch, dass der Flugverkehr aus Sicht der Bevölkerung maßgeblich an der weltweiten Verbreitung des Virus beteiligt war und es auch in Zukunft sein könnte.

Die aktuelle vorherrschende Meinung der Gesundheitsexperten unterstreicht dieses Bild zus√§tzlich. Dieser Umstand ist bei der Entwicklung von zuk√ľnftigen, pr√§ventiven L√∂sungen unbedingt zu ber√ľcksichtigen, um das Vertrauen der Flugg√§ste in die Luftfahrtgesellschaften nicht noch weiter zu besch√§digen. Hierzu haben wir im folgenden bereits eigene konkrete Ideen entwickelt.

 

Standardschutzmaßnahmen

Selbstverständlich arbeiten die Fluggesellschaften bereits unter Hochdruck daran, einen schrittweise gesteigerten Flugbetrieb wieder zu ermöglichen. Hierzu gilt es die gegenwärtigen, aus der Medizintechnik bekannten Technologien und Maßnahmen entsprechend zu konfigurieren und in Anwendung zu bringen. Grundsätzlich zählen hierzu:

  • Desinfektion der Flugzeugkabinen und Bodeninfrastruktur
  • Abtrennen der Flugzeugkabinenbereiche sowie der Wartebereiche an den Flugh√§fen (dies kann im einfachsten Fall mit Mundschutz bei allen Beteiligten realisiert werden)
  • Menschenansammlungen entlang des gesamten Reiseprozesses vermeiden

Die Luftfahrtgesellschaften nehmen hierbei auch die M√∂glichkeit in Anspruch, ihre L√∂sungsfindung und -implementierung durch Public Innovation entsprechend zu erg√§nzen. Dies kann insofern erfolgsversprechend sein, da diese L√∂sungen zu einer hohen Kundenakzeptanz f√ľhren k√∂nnen.

 

Was keiner weiß

Die Luftfahrtunternehmen sind derzeit bem√ľht, den gr√∂√ütm√∂glichen Schaden abzuwenden und ringen hinter den Kulissen nach L√∂sungen. Die √Ėffentlichkeit bekommt so gut wie nichts von den umfangreichen Ma√ünahmen mit, die im Hintergrund laufen. Dies ist auch gut so, da sich die Unternehmen nach der Krise in einem neuen Gewand – welches hoffentlich mehr Sein als Schein ist – pr√§sentieren k√∂nnen.

Man ist bestrebt L√∂sungen zu finden, die im gesellschaftlichen Einklang stehen und sich nicht nachteilig auf andere gesellschaftliche Bereiche auswirken. M√∂gliche Neuerungen der Airlines k√∂nnen u.a. eine bessere und √ľbersichtlichere Preisstruktur der angebotenen Produkte, ein h√∂heres Sicherheitsgef√ľhl f√ľr die Flugg√§ste und ein branchenweites gestiegenes Umweltbewusstsein enthalten.

 

Renommierte Airlines sch√ľtzen

Beim Betrachten der aktuellen Nachrichten bez√ľglich der Luftfahrtgesellschaften zeichnet sich ab, dass es darum geht, besonders die Nationale Carrier durch staatliche Mittel bzw. durch weitere staatliche Beteiligungen zu sch√ľtzen.

 

Zur Lufthansa

Es w√ľrde uns sehr wundern, wenn die Deutsche Lufthansa – unabh√§ngig von der in Aussicht gestellten staatlichen F√∂rderung – noch keine spezielle Task Force eingerichtet hat, um das Unternehmen optimal aus der Krise hinauszuf√ľhren. Deren Hauptaufgabe w√ľrde darin bestehen, entsprechende L√∂sungen heraus zu arbeiten und diese auf ihre Anwendbarkeit hin zu √ľberpr√ľfen. √úber eine ad-hoc Prototypisierung k√∂nnten die L√∂sungen unmittelbar in Anwendung gebracht und hierdurch die oben genannten Ziele f√ľr einen schrittweise gesteigert Flugbetrieb erreichen werden.

Die Aufgabenbereiche sowie die Tragweite so einer Task Force w√§ren innerhalb des Konzerns, u.a. aus¬† Gr√ľnden der Verschwiegenheit, nicht in vollem Umfang bekannt. Dieses w√§re legitim, um die strategische Neuausrichtung der Lufthansa zu sch√ľtzen. Das Unternehmen bek√§me somit keinen unn√∂tigen Druck von Au√üen, insbesondere von staatlicher Seite, bez√ľglich der Umsetzung und Anwendung ihrer gefundenen L√∂sungen.

Hierbei befindet sich die Lufthansa in einer gewissen Pattsituation gegen√ľber der Bundesregierung, welche durch die verh√§ngten Schutzma√ünahmen einerseits f√ľr die Misere der Lufthansa mitverantwortlich zeichnet, das Unternehmen andererseits von der finanziellen Unterst√ľtzung des Staates abh√§ngig ist. F√ľr die Lufthansa gilt es nun die bestm√∂gliche Balance zwischen finanzieller Absicherung und staatlicher Unabh√§ngigkeit zu finden.

 

Aktuelle Wettbewerbssituation

Die Fluggesellschaften ringen derzeit weltweit nach L√∂sungen. Dabei unterst√ľtzen sie sich in dieser heiklen Phase gegenseitig so gut es geht und stimmt sich auf Makroebene ab.

Ein immer noch vorherrschendes Konkurrenzdenken innerhalb der Branche verhindert momentan aber noch eine detaillierte Abstimmung auf allen Ebenen. Man m√∂chte insgeheim nat√ľrlich der Erste sein, der Fl√ľge wieder anbieten kann.

Von außen betrachtet herrscht bei den Luftfahrtgesellschaften eine freundschaftliche Atmosphäre und ein sportlicher Wettbewerb, bei dem möglichst alle als Gewinner hervorgehen.

 

Im n√§chsten Teil unseres Projektes „Ideen f√ľr internationale Airlines w√§hrend und √ľber die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Weitere Sofortma√ünahmen die Luftfahrtgesellschaften ergreifen k√∂nnen, um im Rahmen der Krise einen regul√§ren Flugbetrieb wieder zu erm√∂glichen“ – sprich, erste innovativen Ideen, um die aktuelle Situation konstruktiv und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

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  1. […] und die Luftfahrtbranche Ma√ünahmen getroffen, wie wir sie aus unserer Wahrnehmung der aktuellen Situation in wesentlichen Teilen beschrieben haben. Zum gegenw√§rtigen Zeitpunkt (Anfang Mai 2020) ist nicht […]

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