Counter Crisis Ideation

Ideen zur Krisenbewältigung für den Bildungsbereich

Ideen zur optimalen Entwicklung, Innovationen und Wandel für digitales Lernen an Schulen und Bildungseinrichtungen während und über die Krise hinaus

In Bezug auf sofort nutzbare Werkzeuge und Konzepte, die auch noch nach der Krise weiter in Anwendung bleiben können, für zukünftiges digitales und mobiles Lernen.​ Die aktuelle Corona-Krise trifft den Bildungsbereich unterschiedlich – je nachdem wie weit die jeweilige Einrichtung in ihrer eLearning-Umsetzung ist. Diese Krise und den Wandel gilt es nun auf die Zukunft hin ausgerichtet aktiv und strategisch zu gestalten.

Ideenentwicklung für den Bildungsbereich im Rahmen der aktuellen Corona Krise

Kurze Zusammenfassung:

Die aktuelle Corona-Krise trifft den Bildungsbereich unterschiedlich – je nachdem wie weit die jeweilige Einrichtung in ihrer eLearning-Umsetzung ist. Diese Krise und den Wandel gilt es nun auf die Zukunft hin ausgerichtet aktiv und strategisch zu gestalten.

Wir beginnen ab heute mit der täglichen Veröffentlichung unserer Ergebnisse zu den nachstehenden Fragestellungen. Diese haben wir im Rahmen unserer optimierten Ideenentwicklung (Ideation) zur Krisenbewältigung und innovativen Zukunftsausrichtung realisiert. Weitere Informationen hierzu finden sich auf unserer Seite:

COUNTER CRISIS IDEATION | IDEENENTWICKLUNG ZUR KRISENBEWÄLTIGUNG
www.counter-crisis-ideation.com

Wir haben folgende Fragestellungen im Detail erarbeitet:

  1. Die aktuelle Situation des digitalen Lernens für deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen im Rahmen der Corona-Pandemie:
  2. Welche Maßnahmen können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen ergreifen, um kurzfristig den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten:
  3. Optimale Werkzeuge, Konzepte und Strukturen, welche die Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland aufbauen können, die auch über die Krise hinaus zukunftsträchtig sind:
  4. Welche Aufgaben können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen in der Krise außerhalb ihrer Kerntätigkeit übernehmen:
  5. Möglicher Zeitraum der kritischen Phase der Epidemie für deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland:
  6. Lassen sich die Ideen auch auf den internationalen Schul- und Bildungsbereich übertragen und was sind ggf. die Unterschiede:
  7. Welche Rolle bzw. Funktion können Lern- und Publikationsplattformen im Kontext dieses Projektes einnehmen:
  8. In wie weit lassen sich die neuesten Erkenntnisse über das Lernen selbst, im Rahmen dieses Projektes optimal anwenden:
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1. Die aktuelle Situation des digitalen Lernens für deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen im Rahmen der Corona-Pandemie

In diesem Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welche Maßnahmen können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen ergreifen, um kurzfristig den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten“.

 

Im internationalen Vergleich ist Deutschland in der digitalen Bildung flächendeckend nicht optimal aufgestellt – wenn auch der Wille hierfür durchaus gegeben ist. Nun bringt die Krise eine erzwungene Dynamik in das Thema eLearning. Je weitsichtiger man nun aus dieser Situation heraus handelt, desto eher lässt sich diese Krise auch als Chance nutzen, um in Zukunft deutlich besser aufgestellt zu sein.

Jede Bildungseinrichtung und jeder Lehrer improvisiert so gut es geht – im Rahmen der jeweiligen Möglichkeiten, Fähigkeiten und Werkzeuge (Tools), die zur Verfügung stehen. Schulen und Einrichtungen, die bereits vor der Krise eine bestehende eLearning-Lösung (LMS-System) hatten, nutzen diese so konsequent wie möglich.

Insgesamt wird vielleicht nicht immer didaktisch sauber oder hochwertig gearbeitet – was man in der Kürze der Zeit nicht erwarten kann – doch es wird gearbeitet!

 

Schulleitung und Lehrer

In weiten Teilen gibt es eine Überforderung für Schulleitungen und Lehrer, da sie ihren „Lehrauftrag“ über ein digitales Zwischenmedium einerseits – und Eltern als Vermittler anderseits – umsetzten müssen. Ein zentrales Organ, welches die optimale Strategie entwickelt und verfügbar macht, fehlt.

Auf der einen Seite sind viele Lehrerinnen und Lehrer sehr gut auf das momentane digitale Homeschooling vorbereitet. Es wird problemlos mit digitalen Klassenräumen oder mit Videoanrufen gearbeitet. Auf der anderen Seite gibt es viele Lehrer, die mit der plötzlich eingetretenen Krisensituation komplett überfordert sind. Dieses hat nichts mit dem Alter zu tun. Vielmehr ist die persönliche Bereitschaft ausschlaggebend, inwiefern die Nutzung digitaler Lehr- und Lernmethoden in der kritischen Phase angewendet werden kann.

 

Eltern und Kinder

Eltern und Kinder sind zum Teil überfordert mit der Informationsflut, welche Lehrer ihnen mit besten Absichten bescheren. Diese resultiert zumeist auch daraus, dass Lehrer sich nicht untereinander abstimmen oder nicht abstimmen können. Digitales Lernen ist gegenwärtig noch keine Selbstverständlichkeit. Von Vorteil ist, dass Kinder (Schüler) grundsätzlich neugierig sind und zumeist spielerisch an die Sache heran gehen.

Für Eltern ist die Schule auch immer eine Form der Kinderbetreuung, die in ambitionierten Elternhäusern nun organisiert werden muss. Hierbei entsteht ein hoher Mehraufwand für Eltern und, sofern möglich, Angehörige: generelle Betreuung, Mittagessen und Hilfe beim Schulstoff und den Hausaufgaben. Somit werden Eltern zum Ersatzlehrer, Assistent und Kontrolleur des Lernfortschritts. Damit der Sport nicht zu kurz kommt, müssen Eltern auch hierauf ein Auge haben.

In einigen Familien gibt es – trotz der Mehrbelastung – auch sehr positive Effekte. Es wird wieder mehr miteinander geredet und mehr Zeit miteinander verbracht. Bei anderen Familien dominieren negative Folgen, da sich einige Eltern nicht wirklich für ihre Kinder interessieren und somit auch keine Zeit in ein vernünftiges Bildungs- und Beschäftigungsangebot für die EIGENEN Kinder investieren (können).

Eltern selbst sind natürlich auch mit ihren persönlichen Themen und Ängsten konfrontiert: Corona Virus, Job und Existenz. In Extremfällen führt dieses – in Verbindung mit der aktuell eingeschränkten Bewegungsfreiheit – leider auch zu Fällen häuslicher Gewalt. Oft wird in diesen Familien auch nicht die zuvor beschriebene Lernumgebung geschaffen und oft ist die erforderliche technische Basis auch nicht gegeben. Es gibt immernoch Haushalte, in denen Internet, Computer, Tablets oder Smartphones nicht oder nur sehr eingeschränkt für alle Familienmitglieder vorhanden sind.

 

Grundschulen

Die Klassenräume und Lehrer in Grundschulen sind teilweise sehr gut mit digitalen Lernmedien und Hardware ausgestattet. Diese zumeist ortsgebundenen Infrastruktur nutzt dem einzelnen Schüler zu Hause natürlich wenig.

Spezielle Software für Schüler höherer Klassen sorgt für ein gruppenorientiertes, dynamisches Erarbeiten von Lerninhalten und den Aufbau von hochstehenden menschlichen Gruppenwerten. Im Rahmen der Pandemie kann auch hier nicht von heute auf morgen auf ein digitales Klassenzimmer mit allen Beteiligten, zum Beispiel via Chat, mit allen Erfordernissen umgestellt werden.

 

Bildungsträger

Für Bildungsträger gilt, dass die Ausrüstung mit Lernsystemen eher durchschnittlich ist und das Personal oft nur holprig mit der Hardware und Software umzugehen weiß. Lerneinheiten als Videos oder gar simultan im Chat kann man an einer Hand abzählen. Bisher wurden Online-Bildungsträger eher als Wettbewerber betrachtet. Diese wiederum sind derzeit klar im Vorteil in Bezug auf ihre Infrastruktur – nicht aber unbedingt auf die gegenwärtig benötigten Inhalte. Eine erste Idee (1) hierzu: Partnerschaften von klassischen und online Bildungsanbietern haben großes Zukunftspotential.

 

Universitäten

An den Universitäten sieht es besser aus. Dort wird schon länger mit digitalem Lernen experimentiert und gearbeitet. Erste Universitäten streamen bereits „live aus dem Hörsaal“.

 

ESSENZ

Die ideale Art zu lernen ist gegenwärtig weder konventionell noch digital gegeben. Die Motivation zu lernen läuft Gefahr, (weiter) zu sinken. Daran ändert auch eine verbesserte Struktur des digitalen Lernens nicht viel. Zu stark ist  die Vorstellung verbreitet, der digitale Unterricht müsse genauso aussehen beziehungsweise strukturiert sein wie in der Schule.

Hinzu kommt, dass digitales Lernen noch nicht für alle Schüler gleichermaßen geeignet ist, sondern erst ab einem bestimmen Alter. Nicht dass Kleinkinder dieses nicht könnten. Doch digitale Medien im Übermaß stehen nicht wirklich im Einklang mit einer guten und gehirngerechten kognitiven Gesamtentwicklung. Und was ist mit unseren Mitmenschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen?

Am Ende des Tages ist Schule auch der Raum für ein soziales Miteinander. Das Erlernen und Ausbauen von Respekt anderen und sich selbst gegenüber, sind fundamental wichtig für ein erfolgreiches Beschulen. Dies scheint über die Entfernung und durch digitale Kommunikationswege derzeit erschwert. Hier können Online-Gruppen und Einzelgespräche helfen, Schadensbegrenzung zu betreiben. Vielen Schulen und Lehrer praktizieren diese bereits vorbildlich.

 

Im nächsten Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welche Maßnahmen können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen ergreifen, um kurzfristig den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten“ – sprich, erste innovativen Ideen, um die aktuelle Situation konstruktiv und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.

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2. Welche Maßnahmen können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen ergreifen, um kurzfristig den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten

In diesem Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welche Maßnahmen können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen ergreifen, um kurzfristig den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten“.

 

Zunächst einmal ist die in unserem 1. Teil beschriebene aktuelle Situation eine gute Ausgangsbasis – denn Not macht bekanntermaßen erfinderisch. Es gilt das Prinzip: es ist besser etwas zu tun, als gar nichts zu tun, auch wenn man ggf. über das Ziel hinaus schießt. Zum Beispiel das unkoordinierte „Überfluten“ mit Aufgaben an Schüler durch einzelne Lehrer – ohne Absprache untereinander.

Nach dieser ersten Phase der Krise gilt es nun, die weiterführenden Möglichkeiten zu bündeln und zu strukturieren. Hierfür braucht es eine „Blaupause“, ähnlich unserem Lösungsansatz, den wir hier im weiteren Verlauf beschreiben. Die Besonderheit und Qualität unserer Lösung liegt darin, dass diese auf ein zukünftiges Optimum des digitalen Lernens – über die Krise hinaus – ausgerichtet ist und keine politische Agenda verfolgt.

Grundsätzlich können alle Beteiligten wie bisher in der Krise weiter arbeiten. Parallel gilt es jedoch entweder unseren oder einen anderen weitsichtigen Lösungsansatz auf den Weg der Umsetzung zu bringen, der als Basis es eine geeignete Lernplattform definiert!

 

Lernplattform als Basis

Es gilt eine bestehende digitale Lernplattform zu nutzen, die nachstehend beschriebene Kriterien erfüllt – oder auf kurze Sicht dahingehend ausgebaut werden kann. Im Zentrum stehen digitale Klassenräume als gemeinsamer, zentraler „Speicherort“ für Lernmaterial und als Ausgangspunkt für Videokonferenzen. Der bisherige Klassenverband sollte in autarke Lerngruppen unterteilt werden, die sich gegenseitig unterstützen (Größe ca. 5 Schüler). Diese können auch einfacher von Lehrern und Dozenten betreut werden. Generell geht es darum, den Regelbetrieb aufrecht zu erhalten und Strukturen im Tagesablauf nicht aufzuweichen. Hierfür sollten von Pädagogen die optimalen Maßnahmen erarbeitet werden, damit der Impakt der Krise nicht noch größer wird.

 

Lehrer kontrollieren über ein Regelsystem, ob und wie die Schüler gearbeitet haben:

  • Eine Art wohlgemeintes Kontrollsystem, damit kein Schüler „hinten runterfällt“.
  • Dies ist nötig, da viele Schüler beziehungsweise Lernende nicht immer in der Lage sind, alleine zu lernen und sich nicht alleine auf eine Aufgabe fokussieren können.
  • Hier ist es nötig, dass ein Lehrer / Dozent einschreiten kann, wenn das System ihm ein entsprechendes Feedback liefert.

 

Die in der jetzigen Phase benötigten Plattformen müssen die folgenden Bereiche abdecken (siehe 3. Teil):

  1. Einzelne videogestützte Lerneinheiten
  2. Video Calls in der Gruppe
  3. Gruppenlernchats
  4. Schülerinnen und Schüler per Telefon individuell kontaktieren: Telekommunikation mit Dozenten über relevante Medien für einen zugesicherten Zeitraum x Minuten pro Woche
  5. Zugang über gesammelte Hyperlinks zu Archiven von Software und Lernmitteln, die für zu absolvierende Lerneinheiten wichtig sein könnten (ggf. über den Lernplan hinaus)
  6. Weitreichende Schulungen für Schüler und Teilnehmer in Medienkompetenz
  7. Freizeitchats
  8. Social Digital Meetings zum Austausch zwischen den Schülern (im Klassenverbund).
  9. Sportangebote machen

 

Schüler unterrichten Schüler

Ältere Schüler können jüngere Schüler – nach Vorgaben von Lehrern – unterrichten und dabei selber wachsen. Dies wäre auch international möglich und wäre besonders gut geeignet für Sprachen – zum Beispiel als Sprachtandem mit Muttersprachlern.

 

Der Mensch im Zentrum

Es ist primär von großer Wichtigkeit den Zusammenhalt von Lehrern / Dozenten und Schülern ins Zentrum zu stellen. Wir Menschen brauchen ehrliche Kontakte, bestenfalls physisch. Ist dies nicht möglich, so muss ein möglichst optimales, plattformbasiertes „virtuelles Abbild“ geschaffen werden. Hier gilt es auf die Unterstützung der Eltern und Angehörigen zu hoffen, da diese nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden kann.

 

Sich zusammenschließen

Das Zusammenschließen im Verbund von Schulen / Einrichtungen – gegebenenfalls auch städteweise – sollte ermöglicht und gefördert werden. Nicht jede Schule darf „ihr eigenes Süppchen kochen“ und muss von vorhandenen Kompetenzen und Strukturen profitieren.

Darüber hinaus sollten die Verantwortlichen auch bei den Plattformanbietern anfragen, ob eine kurzfristige Schulung des Lehrpersonals  erfolgen kann, um entsprechende Anwendungen optimal nutzen zu können. Anbieter könnten von sich aus auch freie Lizenzen übergangsweise zur Verfügung stellen. Hier ließe sich ein interessantes Gesamtpaket schnüren: Zeitnah eine Plattform aufbauen und den Lehrern eine Starthilfe geben.

Ebenso könnten seröse Nachhilfeanbieter  einbezogen werden.

Jetzt gilt: Wissen teilen und verfügbar machen!

 

Umsetzung

Derartige Plattformen müssten schnellstmöglich aufgesetzt werden, sofern hiermit noch nicht begonnen wurde, um den Lehrbetrieb aufrecht zu erhalten. Es darf nicht bei Aufgabenverteilung via E-Mail und damit einhergehender Strukturlosigkeit bleiben! Die Einführung kann in Wellen erfolgen. Dies dient dem besseren Verständnis der Betroffenen, damit die Schüler und Eltern nicht von einer einmaligen Informationsflut überrollt werden.

 

Ausblick: Lehrer europaweit „fit machen“

Vielleicht könnte man innerhalb eines halben Jahres die gesamte deutsche – oder gar europäische Lehrerschaft „fit“ in diesem Sinne bekommen. Es gibt bereits massenweise sinnvolle und in der Bedienung leicht zu erlernende Anwendungen / Plattformen, die entsprechend dokumentiert und erprobt sind. Wenn jeder Lehrer in einem halben Jahr mit den vier Kernelementen Kommunikation, Webinare, Informationsgenerierung und Informationsverteilung vertraut gemacht wird, wäre dies ein sehr großer Schritt, den „Tanker Schule“ in die richtige Richtung zu navigieren – dies würde auch eine große mentale Last von den Lehrern nehmen.

 

Im nächsten Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Optimale Werkzeuge, Konzepte und Strukturen, welche die Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland aufbauen können, die auch über die Krise hinaus zukunftsträchtig sind“.

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3. Zukunftsgerichtete optimale Werkzeuge, Konzepte und Strukturen für Schulen und Bildungseinrichtungen über die Krise hinaus

In diesem Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Optimale Werkzeuge, Konzepte und Strukturen, welche die Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland aufbauen können, die auch über die Krise hinaus zukunftsgerichtet sind“.

 

In unserem vorausgehenden Teil „Welche Maßnahmen können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen ergreifen, um kurzfristig den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten“ haben wir hervorgehoben, wie wichtig es jetzt ist, die bisher existierenden Lösungen und Lernportale weiterzuentwickeln. Hierfür haben wir auf unseren Lösungsansatz als „Blaupause“ verwiesen, die Orientierung in der Weiterentwicklung gibt und sich auf jedwede technologische Plattform anwenden lässt. Entscheidend ist, zeitnah alle vier enthaltenen Kernelemente lösungs- bzw. plattformspezifisch umzusetzen, ständig auszubauen und immer weiter zu entwickeln. Das Ergebnis dieses Prozesses ist idealerweise eine optimale Lernplattform. Legen wir los!

Die hier beschriebenen sehr einfachen Analogien können in bestehenden Systemen adaptiert werden oder in vollkommen neue und hierauf von vornherein abgestimmte, Systeme / Plattformen überführt werden. Im Zentrum steht die Schaffung von virtuellen und geistigen Räumen, die von dem Lernenden erschlossen werden. In diesen Räumen geht es darum, durch Interaktion einen beständigen Erkenntnisgewinn zu erlangen – sprich, handlungsorientiertes Lernen. Diese „Erkenntnisreise“ wird in jedem virtuellen Raum dokumentiert, so dass dem Lernenden angezeigt wird, welche Bereiche er sich bereits erschlossen hat. Ideal ist die Anzeige einer Art von grafischem „Puzzle“, das sich im Laufe der Zeit quantitativ vervollständigt und auch die qualitative Verständnisebene des Lernenden anzeigt.

WICHTIG:
Die in unserem 2. Teil „Welche Maßnahmen können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen ergreifen, um kurzfristig den Bildungsbetrieb aufrechtzuerhalten“ aufgezeigten Elemente werden ebenfalls in diesen Räumen an den entsprechenden Stellen implementiert.

 

 

1. Oberste Ebene: Lernräume

Auf der obersten Ebene erschließen sich Schüler die bereits erwähnten „Lernräume“. Diese Räume haben die Funktion, dem Lernenden Transparenz zu bieten und Zusammenhänge aufzuzeigen. Derartige Räume können kurzfristig in bestehenden oder zu schaffenden Systemen / Plattformen eingerichtet und genutzt werden. Langfristig sollten diese Räume mit etablierten Gaming-Analogien (Gamification) ausgestattet werden.
Das Anreizsystem von Adventure Games (https://de.wikipedia.org/wiki/Adventure) hat sich langjährig entwickelt und bewiesen und wird einfach auf den Lernbereich übertragen. Um Missverständnisse zu vermeiden: es geht darum, Analogien und Anreizsysteme aus dem Gaming zu übernehmen – und nicht darum, Lernportale als reine Lernspiele zu entwickeln.

Es ist gut und wichtig, hier von Räumen zu sprechen, die sich der Lernende erschließen soll. Nach dem Motto „gehe hinein und entdecke, was dort alles enthalten ist“. Somit kann der Lernende seinen Interessen und Neigungen nachgehen. Durch die parallel immer weitere „Vervollständigung der Raumerkundung“ wächst die Motivation, sich einen Raum auch ganz und vor allem gut zu erschließen. Wobei gut heißt: maximaler Lerneffekt. Hierbei entsteht bzw. wächst auch das Verlangen, sich wirklich gut in einem Raum auszukennen. Das bringt in der Folge einen geringeren Lernverlust mit sich, durch Motivation, Neugier, Anreiz und idealerweise auch Spaß. Auch hier nutzen wir wieder die Analogie eines Adventure Games Prinzips: man muss sich aufmerksam durch alle Szenen (Räume) hindurchbewegen und muss alles Wichtige „einsammeln“, um das Abenteuer (möglichst gut = gute Note) zu bestehen. Ebenfalls als Gaming-Analogie gibt es auch auf unserer idealen Lernplattform Prüfungen und Wettbewerbe, die man als Lernender bestehen muss, um weiterzukommen oder ein hohen „Score“ (= gute Note) zu bekommen.

Diese Art von Lernen folgt einem ständigen Auf und Ab: etwas Neues wird ergründet, findet Eingang, wird tiefergehender erschlossen, verfestigt sich und wird abschließend verifiziert. Die erschlossenen und abgearbeiteten Inhalte und Aufgaben werden parallel im System / Plattform dokumentiert, um den Lernfortschritt – analog zum Spielerfolg – abzubilden.

Praktische Umsetzung
Diese Raum-Analogie kann jetzt sofort via DropBox, Box.net, Google Drive, OneDrive, OneNote, Evernote, o.ä. umgesetzt werden. Ein Lernportal (LMS) ist nicht die Voraussetzung – wird aber im weiteren Verlauf notwendig sein, um zukunftsfähig zu werden. Wichtig am Anfang ist, ein paralleles Dokumentieren (loggen) der Erkenntnisreise (s.o.), um dem Lernenden und dem Lehrer / Dozenten den Lernfortschritt plakativ aufzuzeigen. Hierbei kann anfänglich mit Checklisten via Dropbox Paper, Google Forms, Microsoft Forms oder ähnlichen Anwendungen gearbeitet werden, indem der Lernende einfach Erledigtes abhakt und somit Transparenz für sich und den Lehrer / Dozenten erzeugt.

In der späteren finalen Lösung sollte das Feedback automatisch und über die Vervollständigung einer visuellen Darstellung erfolgen. Vom Prinzip her wie in unserer obigen Puzzle-Analogie, in Verbindung mit Punkten – bzw. einem sogenannten „Scoring“ bzw. „Ranking“. Hierbei können Schüler ggf. sehen, wie weit „Mitschüler“ im direkten Vergleich in den einzelnen Räumen unterwegs sind. Zumindest sollte der Vergleich in einer Übersicht möglich sein, um zu sehen, wie weit andere „Mitschüler“ sind. Die Idee hierbei ist Kooperation und nicht Konkurrenz, denn es soll ein Anreiz zur gegenseitigen Hilfe untereinander geschaffen werden. Nach dem Motto: „Sag mal, wie hast Du das denn gemacht?“ – was gegenseitig funktioniert, da der eine Schüler hier besser bzw. weiter ist und umgekehrt.

 

2. Anleitungsebene: Beschreibung

Auf der Anleitungsebene werden existierende Inhalte und Räume über Anleitungen miteinander verknüpft. Anleitungen sind im Kern Lerninstruktionen und Anwendungsbeispiele für die jeweiligen Räume. Diese können ebenfalls durch die oben aufgezeigten Systeme realisiert werden. So ist es zum Beispiel bei Dropbox möglich, einfache Ordnerbeschreibungen zu erstellen.

 

3. Inhalte-Ebene: Lehrmaterialien

Die Inhalte-Ebene ist als das vorhandene analoge oder digitale Lehrmaterial des Lehrers bzw. der Bildungseinrichtung zu verstehen: dieses kann direkt eingebunden werden, da es bereits vorliegt – basierend auf dem jeweiligen Lehrplan.
Lehrmittel-Anbietern und bestehenden unabhängigen Lernplattformen sollte ein direkter Zugang gegeben werden, um Inhalte entsprechend einzuspeisen bzw. zur Verfügung zu stellen, da die meisten Lehrer hier bereits ihr Material beziehen.
Sofern keine eigenen Lernvideos vorhanden sind, ließe sich auch über Kooperationen mit bereits erfolgreichen Lernvideo-Portalen (z.B. LearnAttack des Duden) und YouTube-Lehrern nachdenken, um deren Videos mit einzubinden. Warum nicht eine werbefreie und kostenlose Streaming-Plattform für Lernvideos aufbauen, die von deutschen Schulen gemeinsam betrieben wird?! Dieses würde auch die Chancengleichheit besser wahren – siehe unten.
Weitere Ideen zur Erweiterung des Schul- und Bildungsbereiches finden sich auch in Teil 4, den wir kurzfristig veröffentlichen (wahrscheinlich ist dieser zum Zeitpunkt des Lesens bereits veröffentlicht – siehe Gesamtübersicht unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“.

 

4. Wissensebene: Fachwissen

Die Wissensebene definiert das Wissen in den Köpfen der Lehrer / Dozenten, das noch nicht in die Inhalte-Ebene eingebunden wurde. Dieses Wissen muss vor dem Hintergrund der hier aufgezeigten Struktur aufbereitet und eingebunden werden:

  • Texte
  • Videos
  • Checklisten
  • Formulare
  • Grafiken / Bilder

 

Ergänzend zu unserer oben beschriebenen „Blaupause“ haben wir die nachstehenden weiterführenden Ideen entwickelt.

 

Der gute alte neue Klassenraum

Die alt hergebrachte Art zu lernen darf natürlich nicht vergessen werden, will man ein ganzheitliches Lernen ermöglichen – zumal ein rein digitales Lernen nicht ausreichend ist. Für die Zukunft gilt es, physisch-digitale Hybrid-Lernsysteme (weiter) zu entwickeln. Bereits jetzt wäre es ein Leichtes für Schulen und Bildungseinrichtungen, die gewohnten Lerneinheiten / Workshops aus den physischen Klassenräumen LIVE zu übertragen (Streaming), um Lernende zu Hause am Unterricht problemlos teilhaben lassen zu können. Wer nicht live dabei sein kann, arbeitet die Aufzeichnung durch, die sich auch wunderbar zur Wiederauffrischung und zum digitalen Nachschlagen eignet. Auch die Chancengleichheit ließe sich hierdurch besser wahren – siehe hierzu auch unten „Chancengleichheit“.

Wichtig bleibt nach wie vor die Möglichkeit des sozialen Austausches, wie zum Beispiel das gute alte Pausentreffen auf dem Schulhof oder online via Social Meetings zwischen den Schülern. Letzteres wäre sogar überregional, länderübergreifend und international möglich – siehe hierzu auch die Idee von „Sprachtandem mit Muttersprachlern“ in unserem 2. Teil. Diese Idee ließe sich auch auf andere Fächer / Fachbereiche ausdehnen, um schon früh global miteinander zu lernen / arbeiten.

 

Lehrer 2.0

Ein Lehrer wird auf Basis der anzustrebenden idealen Lernplattform mehr zu einem Helfer für viele Kinder / Schüler statt nur einer Klasse. Er entwickelt eine persönliche Verbindung und fungiert mehr wie ein Mentor bzw. eine Vertrauensperson, um z.B. die persönliche Entwicklung zu begleiten und zu besprechen.

Viele tolle und engagierte Lehrer, die sich fantastisch mit digitalem Lernen auskennen und gleichzeitig die Kinder gesamtheitlich und individuell betreuen, gilt es zu identifizieren und als „Mavens“ (innovativer Experte) aufzubauen. Das Ziel ist, allen Lehrern in den „digitalen Sattel“ zu helfen. Somit könnte die vorhandene Kompetenz bereits zeitnah genutzt werden, um die gesamte Lehrerschaft auf ein gehobenes Niveau zu bringen. Und es macht mehr als Sinn, die Menschen zu engagieren, die bereits im Schuldienst sind.

Man braucht nach der Krise keine externen Berater, für die der Staat viel Geld ausgeben muss und die zwangsläufig an der Praxis vorbei arbeiten würden – außer sie stammen ebenfalls aus dem aktiven(!) Bildungsbetrieb. Deutlich sinnvoller ist, die aktuell selbst erlebten Erfahrungen bereits jetzt schon anzuwenden und hieraus die weiterührenden und zukünftigen Ausbildungsprogramme zu entwickeln. Hierbei muss der Fokus auf den aktuellen Erfahrungswerten bleiben und darf nicht zu theorie- und forschungslastig werden. Das würde diesen Prozess zu sehr in die Länge ziehen und mangels Praxisnähe auf zu geringe Akzeptanz stoßen und scheitern.

Eine hierüber hinaus gehende Idee ist, Lehrerinnen und Lehrern eine Art „Internet- & Digital Führerschein“ anzubieten. Dies würde ihnen den Druck nehmen, sich privat das benötigte Wissen aneignen zu müssen. Zudem gäbe es eine Transparenz bezüglich des aktuellen Fähigkeitsgrades jedes Lehrers. Dieser Führerschein sollte in einem gewissen Turnus (z.B. jährlich) erneuert bzw. erweitert werden.
Die Aufgaben für den Test zur Erlangung des Führerscheines sind zentral zu erstellen und gelten für die gesamte Lehrerschaft in Deutschland. Man könnte sogar einen EU-Führerschein einführen, der für alle Länder gilt bzw. in jedem Land erforderlich ist, um überhaupt weiter unterrichten zu dürfen. Die Prüfungen können online erfolgen.

 

Chancengleichheit

Schwierig wird es, wenn Schüler keine entsprechenden Geräte oder Internet zu Hause haben – bzw. keine ruhige Lernumgebung in ihrer Großfamilie. Hier würden wieder die Schwächsten benachteiligt werden. Der Staat müsste die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen, damit alle betroffenen Schüler zu Hause oder in entsprechenden Einrichtungen lernen können.

Alternativ oder ergänzend können Lernräume für digitales Lernen geschaffen werden. Angesiedelt werden können diese nachmittags in den Schulen oder in lokale Lernräume für Schüler aus der nächsten Umgebung. Diese gilt es auszustatten mit Internetzugang, Workstations für sozial schwache Familien und mit optionalen Betreuungsangeboten. Warum hier nicht eine der Allianz führender und innovativer IT Unternehmen schaffen, die eine breite Auswahl von Geräten, Software, Anwendungen und Plattformen in neuartigen „Learn-Hubs“ (Neudeutsch für Lernräume 😉 bereitstellen. Holt man die Industrie noch mit ins Boot, gibt es in Zukunft keinen Grund mehr sich über schlechten Nachwuchs zu beklagen. In der Übergangszeit oder gar dauerhaft, könnten Firmen auch ungenutzte Arbeitsplätze zur Verfügung stellen oder „Lernpatenschaften“ übernehmen.

 

Lernen lernen

Die aktuelle Situation bietet eine weitere Chance, die genutzt werden sollte. Im Rahmen neuer und innovativer Inhalte sollten auch neueste Erkenntnisse das Lernen zu Lernen mit einfließen.

Hierzu haben wir weitere hochinteressante Denkansätze entwickelt, die wir in einem extra Papier „Lernen Lernen“ aufbereitet haben, das auf Nachfrage zur Verfügung steht.

Der zentrale Bestandteil des Papiers ist das Gehirn in seinen wesentlichen Lernprozessen und wie diese maximal hervorgerufen und nachhaltig gestaltet werden.

Hierbei finden die relevanten neurobiologischen Basisfunktionen in ihrer optimalen Anwendung ebenso ihre Betrachtung, wie auch hochmoderne Verfahren.

Wir beschreiben einen heute möglichen „Idealzustand”, der über ein “neurobiologisches Lern-Maximum“ realisierbar ist. Hierbei werden dem Lernenden jedweder Altersgruppe und Sozialisation quasi „Optimal-Zustände“ zugänglich gemacht. Dieses geschieht neben psychologischen Verfahren, auch durch eine richtungsweisende Anwendung von Neurofeedback – bis hin zu gehirnaktiven Frequenzen.

Wir beschreiben ebenso die optimale Gestaltung von Lernmitteln aus einer gesunden Kombination von rudimentären Methoden und den heutigen bzw. zukünftigen medialen Möglichkeiten.

Die hierfür erforderliche Struktur ist als ein Minimum zu verstehen, ohne strukturell die Realisation von Lernen zu überfrachten. Es gilt auf Basis unserer gewonnenen Erkenntnisse die entsprechenden Lernumgebungen für die unterschiedlichen Zielgruppen (Kinder, Erwachsene, etc.) zu konstruieren und sozial-gesellschaftliche Faktoren zu berücksichtigen.

Geistige Bewegung – im Sinne von handlungsorientiert gestalteten Lernsituationen – ist eine weitere zentrale Komponente, die wir definiert haben. Diese beinhaltet die folgenden aufeinander abgestimmten Elemente innerhalb eines jeweils spezifisch definierten Rahmens: Geistige Aktivität auf Basis von Neugier, Lust und dem vorgegebenen Lern-Repertoire. Gefolgt von Ruhephasen, Verinnerlichung und Selbstreflexion.

Das auf Basis unserer Daten definierte Modell sorgt für einen Gleichklang bzw. Gleichtakt von aufeinanderfolgenden FLOW und REST / EASE Phasen: Dem elektrisierenden Lernzustand / Umsetzungs-Flow-Zustand (rekursiv) und den entspannten „Ausruh-Phasen“. Diese sind eingebettet in das jeweils übergeordnete Zeitkonstrukt: z.B. ein Tagesablauf, basierend auf einem Monats- bzw. Wochenplan und im Detail ein Stundenplan mit zeitunabhängigen Blöcken.

Der „Lehrer“ ist für uns mehr jemand, der dafür verantwortlich ist, das Modell umzusetzen und einzuhalten – wie eine Art (Rollen-)Spielleiter.

Als weitere Punkte finden Betrachtung:

  • Der erforderliche Freiraum für das Denken und Gedanken.
  • Ein Nährboden aus gut aufbereitetem Lernstoff, eingebundene Lehrer- und Elternschaft und ein breites gesellschaftliches Verständnis – z.B. darüber, dass falsche Lernumgebungen und falsche Lernstile krank machen.
  • Klar umrissene Lerninhalte – auch durch gemeinsames Planen von Lehrern und Schülern (= höherer Akzeptanz).
  • Planen der richtigen Lernumgebung auf Basis aller in unserem Konzept definierten Komponenten bzw. aller gegenwärtig verfügbaren Mittel und Erkenntnisse.

 

Im nächsten Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welche Aufgaben können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen in der Krise außerhalb ihrer Kerntätigkeit übernehmen“.

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4. Ideen für Schulen und Bildungseinrichtungen zu Aufgaben außerhalb ihrer Kerntätigkeit in der Krise

In diesem Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welche Aufgaben können deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen in der Krise außerhalb ihrer Kerntätigkeit übernehmen“.

 

Medienkompetenz erhöhen

Lehrer und Betreuer sollten, wo auch immer sich verfügbare Zeiteinheiten bieten, ein starkes Augenmerk auf den Ausbau von Medienkompetenz legen – für sich selbst und für die Schüler, um diesen auch auf Augenhöhe begegnen zu können.

 

Digitales Lernen forcieren

Darüber hinaus sollte unbedingt die Ausarbeitung bzw. Weiterentwicklung eines Konzeptes für das digitale Lernen forciert werden – eine mögliche Blaupause hierfür haben wir in unserem 3. Teil aufgezeigt. Gerade Lehrer sollten bei der Entwicklung einer Lernplattform einen wesentlichen Beitrag leisten, da sie tagtäglich „an der Front“ sind. In der jetzigen Phase können sie „live“ dabei unterstützen, ein solches Konzept zu entwickeln und umzusetzen.

 

Kommunikationswege festlegen

Eine Abstimmung mit den Eltern sollte auch in der jetzigen, noch weiter andauernden Phase, vorgenommen werden. Ziel ist herauszufinden, wie man im Team (Lehrer und Eltern) mit den Kindern am besten arbeiten kann:

  • Welche Unterstützung wollen Eltern beim Lernen zu Hause konkret.
  • Material zur Verfügung stellen und auf welchem Wege.
  • Eventuell „sichere“ Hausbesuche machen, wenn Eltern nicht klarkommen.
  • Videokonferenzen für die bestehenden Klassenverbände anbieten, damit Kinder sich weiterhin sozial austauschen können.

 

Gemeinsame Teams mit den Schulbehörden

Auch sollte eine engere Verzahnung zwischen den Schulbehörden und den Schulen und Lehrern erfolgen, um mehr Praxisnähe und einen besseren Austausch zu ermöglichen. Hier brauchen einfach nur kooperierende Teams zu konkreten Aufgaben gebildet werden, was technisch kein Problem darstellt – z.B. über Microsoft Teams oder ähnliche Lösungen. Nach der Krise sollte durch diese Teams eine Verbesserung des Schulsystems und Optimieren der Abläufe angestrebt werden.

 

Kooperation

Schulen können / sollten miteinander kooperieren, um gemeinsame Inhalte (Content-Pools) aufzubauen, damit nicht jede Schule die erforderlichen Inhalte selber erstellen, digitalisieren und einbinden muss. In diesem Zusammenhang sei auch an die möglichen direkten Kooperationen mit Anbietern von Schulbuchverlagen und Content-Plattform (Inhalte) erinnert, damit man bereits jetzt im Ansatz – und später verstärkt – Inhalte direkt über diese Partner einspeisen kann. Hierbei gilt es, die erforderlichen Lizenzen (ggf. Rechte und Gebühren) zu regeln. Darüber hinaus sollten sich Lehrer gleicher Fachrichtungen auf Online-Konferenzen inhaltlich abstimmen – ggf. auch dauerhafte Arbeitsgruppen (Teams) bilden.

Siehe auch:
3. Teil – Optimale Werkzeuge, Konzepte und Strukturen, welche die Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland aufbauen können, die auch über die Krise hinaus zukunftsträchtig sind | Punkt 3 – Inhalte-Ebene: Lehrmaterialien“.

 

Schüler: Seniorentelefonpartnerschaften

Schüler der 6. bis 8. Klassen könnten Seniorentelefonpartnerschaft übernehmen. An 2 – 3 Tagen die Woche könnten dann gemeinsame (Video)Telefonate erfolgen, um für beide Seiten Nähe zu erzeugen. Dieses würde den Stressfaktor bezüglich der Isolation senken, der sich negativ auf das Immunsystem auswirkt.

 

Schulkantinen und Caterer: Heimlieferung

Schulkantinen und Caterer könnten Heimlieferung anbieten, um Familien bzw. Eltern zu entlasten. Dieses würde helfen, Arbeitsplätze zu erhalten.

 

Datenverwaltung

Die verbleibende unterrichtsreduzierte Zeit könnte zum „Aufräumen“ und Neuorganisieren der technischen Infrastruktur genutzt werden.

 

Im Notfall: Räumlichkeiten

Schulen können im Notfall Räumlichkeiten zur Verfügung stellen – insbesondere Turnhallen. Diese könnten für mobile Krankenhäuser genutzt werden.

 

Bildungseinrichtungen

Bildungseinrichtungen können sich als Weiterbildungseinrichtungen in dieser Zeit etablieren und sollten diese Chance nutzen. Die neue Zielgruppe hierbei sind Eltern, um diese in der Unterrichtung von Kindern zu unterstützen bzw. diese zu flankieren – und zwar ähnlich dem „Nachhilfe-Prinzip“, was auch zu einem qualitativ besseren Markt für Nachhilfe führen würde.

Zur Umsetzung dieser Idee ließen sich die existierenden Online-Infrastrukturen innovativer Bildungseinrichtungen nutzen. Bildungsträger ohne eine solche Struktur können Lernthemen nach unserer Blaupause einer optimalen Lernplattform (siehe 3. Teil) aufbauen – anfänglich noch mit den erwähnten rudimentären Tools und später mit einer ausgereiften Online-Infrastruktur (LMS).

 

Im nächsten Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Wie lange der möglicher Zeitraum der kritischen Phase der Pandemie für deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland noch andauert“.

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5. Möglicher Zeitraum der kritischen Phase der Pandemie für deutsche Schulen und Bildungseinrichtungen

In diesem Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Wie lange der möglicher Zeitraum der kritischen Phase der Pandemie für Schulen und Bildungseinrichtungen in Deutschland noch andauert“.

 

Eine langanhaltende Phase

Bei dem Zeitraum insgesamt handelt es sich um eine eher langanhaltende Phase, auf die man sich im Rahmen der Möglichkeiten eingestellt hat. Die Auswirkungen werden jedoch von längerer Dauer sein, da wir als Gesellschaft erst die anfängliche Phase hinter uns gebracht haben und wir nicht so schnell wieder zur vollständigen Normalität zurückkehren. Auch wenn ein absolut reduzierter Schulbetrieb bereits begonnen hat (Stand Mitte / Ende April 2020).

Im Kern könnte sich insgesamt um einen Zeitraum von 3 – 4 schwierigen Monaten handeln. Daher ist die Umsetzung der hier skizzierten neuen Ideen so schnell als möglich erforderlich.

Im Laufe der Zeit stellen sich alle Beteiligten so gut es geht auf die Situation ein. Daher ist es für den Schul- und Bildungsbereich wichtig, die erforderlichen Routinen im Rahmen des digitalen Lernens zu etablieren und auf Dauer weiterzuentwickeln – wie hier aufgezeigt.

Eine erste Besserung tritt ein, wenn der Großteil aller gegenwärtigen Einschränkungen aufgehoben ist.

 

Höhepunkt erst im Mai

Die Auswirkungen könnten sich noch bis zum Ende des Jahres zeigen, wobei der Gipfel bis Ende Mai überschritten sein könnte: Die Epidemie erreicht ggf. sogar im Mai erst ihren Höhepunkt und flacht dann erst relativ schnell wieder ab.

 

Besserung ab Ende Juni

Ab Ende Juni würde dann eine deutliche Besserung der allgemeinen Situation eintreten (bzgl. der Pandemie). Die intensiveren Auswirkungen könnten noch bis in den Sommer – August / September – spürbar sein.

In anderen Worten, es könnte länger dauern als geplant, da der Höhepunkt noch nicht überschritten wurde. Möglicherweise bleiben die Schulen noch bis nach den Sommerferien für den Regelbetrieb geschlossen.

 

Ausklingen

Danach flacht die Kurve langsam ab und der Regelbetrieb kommt verstärkt zurück. In Kombination mit dem parallel erforderlichen digitalen Lernen kann durchaus Zeitraum von insgesamt 8 – 9 Monaten erreicht werden, mit weiteren Chancen für das digitale Lernen durch die neuen Ideen, Innovationen und Möglichkeiten.

 

Wellenförmiger Verlauf

Wir haben es ggf. mit einem wellenförmigen Verlauf zu tun. Die Auswirkungen können über unsere beschriebenen Maßnahmen deutlich reduziert werden. Möglicherweise haben wir im Herbst noch einmal eine neue Welle von Infektionen.

 

Schulbesuch in Ausnahmefällen

In Fällen von existenzieller Bedrohung, sollte es für Eltern möglich sein, ihre Kinder mit einer Einverständniserklärung, ab Ende April / Anfang Mail wieder in die Schulen zu geben. Voraussetzung sollte sein, dass die Kinder nicht zur Risikogruppe gehören und auch nicht Familienangehörige aus Risikogruppen in ihrem direkten Umfeld haben.

Ein weiterer Grund sollte das Abwenden von psychischen Schäden von Kindern sein, wenn dieser droht zu groß zu werden. Der Schaden entsteht in den meisten Fällen wahrscheinlich durch eine gefühlte Kontaktarmut, multipliziert mit einem gestörten Nähe-Distanzverhältnis zwischen Kind und Eltern.

 

Normalität?

Der Zeitpunkt bis Normalität herrscht, wird in vielen Fällen einige Wochen über das etappenweise Wiedereröffnen der Schulen hinausgehen. Dieses ist je Schule individuell ausgeprägt, was daran liegt, dass Schulen bzw. Lehrer ihre Schüler unterschiedlich mit Inhalten versorgen. Digitale Aufgabenblätter können beispielsweise zeitnah kontrolliert, besprochen und verbessert werden. An Schulen, wo die Versorgung analog oder über das blosse Versenden von nicht editierbaren (gescannten) PDFs erfolgt, ist eine Leistungskontrolle nachgelagert.

Sofern Ergebnisse nicht laufend eingeschickt werden können, wird eine Kontrolle sogar erst möglich sein, wenn die Schulen wiedereröffnen. Diese Lehrer werden somit lange beschäftigt sein, sich mit alten Themen zu befassen – sofern sie dieses überhaupt tun. Leider haben diese Themen zu dem Zeitpunkt keinen wirklichen Wert mehr, da die Themen bereits vor mehreren Wochen bearbeitet wurden. Dieses Problem gilt insbesodere für Grundschulen.

 

Die Epidemie ist möglicherweise der Anstoß zu einer kompletten Erneuerung des bestehende (weltweiten) Schulsystems

Der Auslöser hierfür ist wahrscheinlich, dass Eltern sich in dieser Zeit verstärkt mit den Lehrinhalten ihrer Kinder auseinandersetzen. Darüber hinaus steigen die Ansprüche der Eltern mit dem Andauern der Krise. Gleiches gilt für das Verständnis der Eltern, was ihre Kinder in den Schulen lernen – oder auch nicht.

Als mögliches Szenario wird das bisherige Schulsystem auf lange Sicht nur noch übergangsweise eine Berechtigung haben, hauptsächlich um die Schüler zu betreuen. Die Entwicklung geht hin zu einem freien, dynamischen und digital flankierten Lernsystem.

Diese Erneuerung des Schulsystems ist ein längerer Prozess, der sich mindestens über die nächsten 5 Jahre ziehen wird.

Eine kritische Phase gibt es nach Abklingen der Epedemie wahrscheinlich nicht, da sich das Schulsystem im Prinzip dabei ist neu zu erfinden – bzw. den digitalen Raum und freies Lernen durch jetzt gemachte Erfahrungen zu erobern.

Der Übergang vom klassischen zum neuen Schulsystem wird wohl in mehreren Wellen erfolgen, um die Schüler und Einrichtungen nicht zu überfordern.

 

Universitäten

Universitäten werden sich in Zukunft verstärkt auf praktische Anwendungen, Versuche und Forschung konzentrieren. Die Vermittlung der bisherigen Inhalte (Vorlesungen) erfolgt in Zukunft verstärkt über geeignete Lehrplattformen.

 

Bildungseinrichtungen

In Bildungseinrichtungen muss von Fall zu Fall entschieden werden, wie und wann diese den Betrieb wieder aufnehmen, da einige Bildungsträger mit Risikogruppen konfrontiert werden und manche selten bis gar nicht.

 

Im nächsten Teil unseres Projektes „Optimales digitales Lernen während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welche Rolle bzw. Funktion können Lern- und Publikationsplattformen im Kontext dieses Projektes einnehmen“.

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